8. Weihnachtsmuffel vs Weihnachtsfan

8. Weihnachtsmuffel vs Weihnachtsfan

Mini Weihnachtsgeschichte – Kapitel 1!

Anja und Herbert sind seit vier Jahren ein Paar. Sie sind mit ihrem Leben zufrieden und  fühlen sich wohl in ihrer Beziehung. Nicht immer sind sie einer Meinung, weshalb es  hin und wieder auch zu heftigen Diskussionen kommt. Damit kommen aber beide gut klar. Sie schaffen es auch immer  rechtzeitig aus den Diskussionen auszusteigen. So beenden sie solche Gespräche bevor die Emotionen die Oberhand gewinnen und sich die Ratio aufs Ohr legt. Bei einem Thema schaffen sie diese kulitivierte Art der Auseinandersetzung  aber nicht: Weihnachten. Hier scheiden sich nicht nur die Geister, sondern beinahe auch Anja und Herbert. Und das Jahr für Jahr.

Also nicht ganz, denn im ersten Jahr war das alles anders.

Herbert liebt Weihnachten. Es gibt für ihn keine schönere, keine romatischere und keine kuscheligere Zeit als den Advent. Er findet alles daran wunderbar. Für ihn könnte die Weihnachtsbeleuchtung das ganze Jahr funkeln und die Luft immer nach frischgebackenen Keksen und Punch riechen. Anja hingegen kann Weihnachten kaum ertragen. All der Kitsch und das Gedudel. Das gekünstelte Fröhlichsein der Arbeitskollegen, die X-Mas Pullis und der Gipfel der Peinlichkeiten die alljährliche Weihnachtsfeier in Anjas Firma. Für sie ein einziger Balanceakt. Entweder ist sie die langweilige Spießerin, weil sie sich weigert an der xten Trinkrunde teilzunehmen oder sie kann sich auf diversen Videos in sozialen Netzwerken als trinkfreudige Kollegin bewundern. Ein besonderes Highlight ist die Team – Kopfbedeckung. Jedes Jahr gibt es eine andere und jeder Mitarbeiter muss sie aufsetzen. „Freiwillig als Zeichen der Zusammengehörigkeit“, hatte ihr Chef das einmal argumentiert. Sie waren schon Elche, Engel und Kobolde und wer weiß, was noch alles. Anja findet das albern. Aber sie ist ein Teamplayer und das gilt es jedes Jahr aufs Neue an diesem Tag  durch das Tragen einer „lustigen“ Kopfbedeckung zu beweisen. Grrrrr.

Nun aber zu den ersten gemeinsamen Weihnachten von Anja und Herbert. Herbert war schneller. In Herberts Vorstellung gab es die Option gar nicht, dass Anja Weihnachten nicht lieben könnte. Sie hatte sich ihm gegenüber auch nie als „Grinch“ geoutet. Also hat der Weihnachtswahnsinn voll zugeschlagen. Herbert hat geschmückt, Ausflüge zu Weihnachtsmärkten, mit und ohne Freunden, organisiert und vieles mehr. Er war so begeistert, dass Anja es nicht über sich brachte, ihm reinen Wein einzuschenken. Sie konnte ihm nicht sagen, dass sie all das nicht ausstehen kann. Die Worte wollten einfach nicht über ihre Lippen. Stattdessen riss sie sich am Riemen, wie man so schön sagt, und spielte Weihnachtsfreude. Sie spielte gut, aber es kostete sie viel Anstrengung und Überwindung. Anja hoffte, doch noch etwas Schönes an Weihnachten entdecken zu können. Das passierte aber leider nicht. Ganz im Gegenteil. Je näher der Weihnachtsabend kam, umso getresster wurde sie und umso größer wurde ihre Abneigung. Herbert bemerkte, dass irgendetwas nicht stimmte. Er konnte sich die plötzlich auftretende Spannung zwischen ihnen beiden aber nicht erklären. Herbert verstand die Welt nicht mehr. Warum war Anja so genervt? Er hatte sich doch so sehr bemüht und alles so toll organisiert. Schönere Weihnachten konnte Anja noch nie erlebt haben. Sie sollte ihre erste gemeinsame Adventzeit niemals wieder vergessen. Tja, das war ihm ja auch gelungen, aber auf eine andere Art und Weise als es seine Absicht war. Anja würde diesen „Weihnachtshorror“, ihre Bezeichnung für ihre ersten gemeinsamen Weihnachten, tatsächlich ewig in Erinnerung behalten. Das war es wohl nicht, was sich Herbert für sie beide gewünscht hatte.

Wie konnte es soweit kommen? Beide hatten sie gute Absichten. Herbert schloss von seiner Begeisterung für Weihnachten darauf, dass Anja all das genauso liebte wie er. Er plante und organisierte ohne ein einziges Mal mit Anja darüber zu sprechen. Anja wiederum wollte Herbert nicht die Freude nehmen. Deshalb erzählte sie nichts von ihrer Aversion gegen Weihnachten. Sie würde es schon irgendwie hinkriegen und über ihren Weihnachtsgreuel überwinden.

Das Ergebnis dieser doppelt guten Absichten war, dass der Weihachtsabend angespannt und wenig lustig verlief. Die darauffolgenden Feiertage waren ähnlich unangenehm. Sie wussten nicht wirklich, was passiert war und fanden auch keinen Anfang, um darüber zu sprechen.

Irgendwann sagte Herbert so halblaut vor sich hin: “ Man könnte fast annehmen, du kannst Weihnachten nicht ausstehen, so wie du dreinschaust.“ Da platzte es aus Anja heraus: “ Ja, genau, so ist es. Ich hasse Weihnachten.“ Sie setzte noch nach: „Es gibt nichts Schlimmeres. So jetzt weißt du es.“ Was für ein Paukenschlag. 

Die Zeit verging und das Thema Weihnachten wurde hinten angestellt. So lange bis es wieder vor der Türe stand. Herbert hielt sich zurück und machte von allem weniger. Anja tat Herbert zu Liebe ein bisschen mehr. Richtige Freude kam bei beiden nicht auf. Irgendwie überstanden sie auf diese Art und Weise drei Weihnachten. Sie haben nie darüber gesprochen. Sie sind diesem Thema immer geschickt ausgewichen. Zu tief saß der Schock dieser ersten Weihnachten. Wie sollte man hier auch eine Lösung finden, wenn der eine alles will und der andere gar nix. Da ist doch immer einer enttäuscht. Also trafen sie eine unausgesprochene Übereinkunft, nicht darüber zu sprechen. Das blieb aber nicht ohne Folgen. Das „Weihnachtsabkommen“ begann an ihrem Beziehungsherz zu kratzen. Jedes Jahr im Dezember wurde das Herz geschwächt. Es verlor an Substanz und wurde kleiner. Manchmal konnte es während des Jahres wieder gestärkt werden, aber manchmal passierte auch etwas, das ihm weiter zusetzte. So begann der „Weihnachtspakt“ Anjas und Herberts gemeinsame Zukunft zu bedrohen.

Fortsetzung folgt.

Bis morgen! 🙂

Silke

         Er rückt näher, der Advent! 🙂

Lasst uns Freunde sein und folgt uns!

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