5. Die andere Weihnachtskrippe ;)

5. Die andere Weihnachtskrippe ;)

Spielerischer Perspektivenwechsel

Unser Countdown geht in die letzte Woche. Vor Kurzem hat einer meiner Klienten mein Systembrett für eine sehr kreative Weihnachtskrippe gehalten. Das hat mich auf die Idee gebracht, das Systembrett im Rahmen unseres Countdowns näher vorzustellen. Es ist eine meiner Lieblingsmethoden und die Ergebnisse überraschen mich immer wieder. [Bitte nicht mit der Familienaufstellung verwechseln, das ist eine andere Sache.]

Was ist das Systembrett? Ein Systembrett besteht aus einer Unterlage, welche das „System“ symbolisiert und „Figuren“. Die Figuren werden für alles verwendet, das für die Situation bzw. für die Fragestellung aus der Sicht des Fragenden eine Rolle spielt. Das können Personen, Tiere, Gefühle und auch Dinge sein.

Wie funktioniert es? Die Person, die nach einer Antwort sucht, erzählt zuerst worum es geht und was sie herausfinden möchte. Danach wählt sie die Figuren aus und stellt sie intuitiv auf das Brett. Die Annahme ist, dass wir in Systemen (Arbeit, Familie, Beziehung…..) agieren. Innerhalb eines Systems „beeinflussen“ wir einander, wir wirken aufeinander. Man kann sich das mit einem Mobile veranschaulichen. Bewegt sich ein Teil, bewegen sich die anderen automatisch auch. [Minikurzerklärung zu Systemen :)] Sind die Figuren aufgestellt stellt der Mediator, Coach oder Therapeut Fragen zu dem was er sieht und der Aufstellende antwortet. Wenn er möchte, kann er die Figuren verändern und so neue Konstellationen ausprobieren.

Wann ist es hilfreich? Die Aufstellung am Systembrett ist immer dann sinnvoll, wenn es darum geht Klarheit für eine Situation zu schaffen. Ich verwende das Brett sehr gerne, wenn KlientInnen alleine zu mir kommen und nicht wissen, wie sie in einem Konfliktfall vorgehen sollen und welche Optionen sie haben. Manchmal ist auch nicht klar, ob es den Konflikt überhaupt gibt. Die Fragestellung kann auch einen beruflichen Kontext haben.

Auch innerhalb einer Mediation ist das Systembrett hilfreich. Die Aufstellung macht  unterschiedliche Standpunkte und Annahmen sichtbar. Das „Draufschauen können“ unterstützt gehörte Worte. Das kann für die Streitpartner sehr aufschlussreich sein, das gegenseitige Verständnis fördern und den Weg zur Lösung ermöglichen. „So siehst du das? Das wusste ich nicht, ich dachte……“

Für wen passt diese Methode? Die Methode passt für jeden, der nach neuen Erkenntnissen sucht und der dazu gerne seinen üblichen Denkkreislauf verlassen möchte. Immer wieder passiert es, dass KlientInnen bei der ersten Begegnung mit dem Brett fragend auf meine bunten Figuren schauen. Womöglich die Augenbraue hochziehen und misstrauisch die Lippen schürzen. Mir ging es übrigens sehr ähnlich, als ich das erste Mal mit einem Systembrett in Berührung gekommen war. Ich war aber auch sofort neugierig und wollte wissen, was das „Ding“ denn so kann. 🙂

Offen sein. Die Skepsis kurz unbeachtet lassen, sich anleiten lassen, spielen und schauen was passiert. Ich hatte noch keinen Fall, bei dem es nicht zu einem „Aha“ Erlebnis gekommen ist. Interessant ist, dass häufig das, was bei unseren Denkmodellen im Fokus steht und uns blockiert, sich in der Aufstellung nicht im Zentrum befindet. Da finden sich oft andere Dinge.

Meine persönliche Geschichte mit dem Brett. Ich weiß es  noch, als wäre es gestern gewesen. Ich war damit konfrontiert, dass ich ein neues Team zugewiesen bekommen hatte. Dieses Team war ziemlich schwierig, zumindest eilte ihm dieser Ruf voraus. Ganz ehrlich: Ich wollte es nicht haben. Wie sollte ich aus diesem Haufen aus Streithanseln und Zicken ein Team machen das zusammenhält? Damals war ich übrigens gerade mitten in der Ausbildung zur Mediatorin. Die Situation hatte mich gedanklich überfordert. Welche Vorgehensweise ich mir auch überlegte, mit keiner war ich zufrieden. Also habe ich mir Rat geholt. Ich bekam jedoch keine Anleitung wie ich mein Problem lösen konnte, sondern die Aufgabe das Team auf einem Brett aufzustellen. „Aha, und das macht mich dann schlauer?“, fragte ich mich lautlos. Nachdem alle Teammitglieder am Brett ihren Platz gefunden hatten, kam die Frage meiner Coach: „So und wo stehst du?“ Meine Antwort war aus heutiger Sicht genial: „Ich gehöre nicht dazu. Ich bin nicht am Brett, sondern irgendwo außerhalb.“ Und dann folgte meine erste Erkenntnis: „Du bist die Teamleitung. Du gehörst dazu. Stell dich bitte auf.“ Boah, ein harter Brocken, ich musste mich also positionieren. Nach dem ich meinen Widerwillen überwunden hatte, konnte ich meinen Platz akzeptieren und es war mir jetzt auch völlig klar, natürlich gehörte ich dazu. Ich hatte die Verantwortung für die Truppe, ob ich wollte oder nicht. Indem ich eine Figur für mich zum Team auf das Brett gestellt habe, habe ich innerlich die Rolle als Teamleitung angenommen. In mir hatte sich etwas verändert. Zauberei?! Nein, vielmehr habe ich durch Sehen und Spüren eine Einsicht gewonnen. Einige Fragen später und nachdem ich die Figuren hin und hergeschoben hatte, hatte ich eine Aufstellung vor mir, die mir richtig gut gefallen hat. Das Team machte jetzt einen sympathischen Eindruck auf mich und ich spürte Vorfreude über meine bevorstehende Aufgabe. Viele Ideen schoßen durch meinen Kopf. Ich wusste jetzt tastächlich wie ich es anzupacken hatte.

Vor der Aufstellung habe ich nur das Problem gesehen. Mein Widerwille mich mit einem Problem zu belasten hat mich „blind“ für Möglichkeiten und Veränderungen gemacht. Die Aufstellung hat mir meine Position und Verantwortung verdeutlicht. Meine Denkblokade war weg und ich wusste was ich zu tun hatte. Easy peasy. 😉 Meine Sichtweise und meine Einstellung hatten sich verändert und damit konnte ich meine Aufgabe gut managen. Sehr, sehr cool.

Manchmal hat man einfach ein Brett vorm Hirn. Zumindest ist das bei mir so und ich denke, das ist ganz normal. 😉

Viel Spaß beim Ausprobieren und bei euren persönlichen AHA-Erlebnissen!

Und, wenn euch das Ganze nicht geheuer ist, dann denkt an Pippi Langstrumf, die sagte:

“ Das haben wir noch nie gemacht. Das wird sicher klappen.“

Alles Liebe

Silke & Christiane

 

 Bald ist er da, der Advent 2018! 🙂

Lasst uns Freunde sein und folgt uns!

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